The price for being consistent

 
Es verlangt Durchsetzungsvermögen, wenn man einem Leben nach dem Evangelium treu bleiben will. Geschichten aus dem Buch: „Una buona notizia. Gente che crede gente che muove“ (Eine gute Nachricht. Leute die glauben, Leute die etwas in Bewegung setzen), Ansätze einer neuen Gesellschaft.

Ich bin Wasserbauingenieur und seit einigen Jahren mit dem Bau und der Überwachung von Kläranlagen im Süden Italiens beschäftigt.

Ende der 90er Jahre habe ich für eine Multinationale gearbeitet, die sich um 50 Kläranlagen in der ganzen Region kümmerte. Kurz nach meiner Einstellung stellte ich fest, dass ich wohl der einzige Angestellte war, der aufgrund seines Studiums und seiner beruflichen Laufbahn mit dieser Arbeit betraut worden war, und nicht aufgrund von Vetternwirtschaft.

Wir haben uns mit viel Engagement an die Arbeit gemacht und wider Erwarten begannen die Kläranlagen nach 30-40 Tagen voll zu funktionieren. Doch das war ein alarmierendes Zeichen, denn es war der Beweis dafür, dass sie vorher nicht etwa aus technischen Gründen stillagen, sondern aus entgegen gesetzten wirtschaftlichen Interessen.

Später habe ich in anderen Firmen gearbeitet. Überall das Gleiche: es ging nicht um eine gute öffentliche Wasserversorgung, die Gesundheit der Bürger, die Zukunft unserer Kinder, das Wohl der Stadt…es ging lediglich um Profit und private Interessen. Ich wurde aufgefordert, für diese Interessen zu arbeiten, nicht etwa für das Allgemeinwohl. Zum Beispiel war es in einer Gemeinde üblich – um Profit zu machen – den Schlamm aus der Kläranlage über einen Bach ins Meer zu leiten. Heute, nach zehn Jahren, finden die ersten Verhaftungen der Schuldigen statt.

All das ging gegen meine Prinzipien. Zusammen mit meiner Frau und einer Gruppe von Freunden bemühte ich mich darum, mein Alltagsleben nach dem Evangelium auszurichten. Mein Gewissen verlangte von mir, gegen diese Praktiken vorzugehen, egal, was es kostete. Ich kündigte.

Trotz aller Schwierigkeiten gelang es uns, auch positive Erfahrungen zu machen in der Verwaltung von Kläranlagen, wie in einer sozialen Genossenschaft eines Küstenortes. Wir waren zu Dritt: ich als Ingenieur, ein Elektriker und ein Arbeiter mit Drogenvergangenheit. Wir haben außergewöhnliche Ergebnisse erzielt. Ein Labortechniker behauptete, es sei unmöglich, so reines Wasser zu haben. Wir hätten zwangsweise manipuliert!

Gegenwärtig bin ich bei einer gemeindlichen Kläranlage angestellt und verfolge außerdem einige kleinere Aktivitäten. Der gleiche Techniker, der nicht „an unser Wasser“ glaubte, führt heute Schulklassen durch das Klärwerk, um die zukünftigen Techniker zu schulen.

Der Preis für diese Kohärenz ist hoch. Wir sind immer am Rande eines Bankrotts, oft schaffen wir es in der  Familie nur mit Mühe, bis zum Ende des Monats mit dem Geld auszukommen. Aber um Gott Raum zu geben, muss man an seine Liebe glauben und mit ihm gegen den Strom schwimmen.

Heute morgen lief ich am Strand entlang. Vor dem herrlichen Anblick des Meeres, in dem sich die Sonnenstrahlen spiegelten, habe ich die Gegenwart Gottes gespürt, die mich stärkte.“

(Roberto, Italien)

Geschichten aus dem Buch: „Una buona notizia. Gente che crede gente che muove“ (Eine gute Nachricht. Leute die glauben, Leute die etwas in Bewegung setzen),Ed. Città Nuova, Roma 2012.

Verhaltensregeln (500)

 

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